|  | Ehemalige Schulverweigerer machen Schulabschluss |
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Seit genau einem Jahr arbeitet in einem Pavillon an der „Alten Phywe“ die „Produktionsschule“ der Stadt. Die von der Beschäftigungsförderung Göttingen und als Außenstelle der Heinrich-Heine-Hauptschule getragene Einrichtung mit Vorbild in Dänemark hat das Ziel, ihre Schülerinnen und Schüler zum Schulabschluss zu führen, den sie an einer Regelschule wahrscheinlich nicht erreichen würden.
Stress mit Lehrern, Mitschülern und Eltern sowie Konzentrationsschwierigkeiten sind häufig Ursache dafür, dass Schüler sich dem Unterricht verweigern. Das erfuhren die Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion, die zusammen mit der Göttinger Landtagsabgeordneten Dr. Gabriele Andretta und der schulpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Frauke Heiligenstadt, die Einrichtung vor Ort besuchten.
Die Lern- und Lehrmethoden sind stark praxisbezogen. Die vier Schülerinnen und acht Schüler lernen mit fünf teilzeitbeschäftigten Betreuern in der Werkstatt, Holzprodukte für Kindergärten und Schulen herzustellen. Im Bereich Hauswirtschaft werden lebensnahe Praktiken wie die Zusammenstellung und Zubereitung gesunder Nahrung und preisbewusstes Einkaufen vermittelt. Neben dem regulären Stoff in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch gibt es individuell abgestimmte Arbeitsformen und Lerninhalte, die projektorientiert und in kleinen Arbeitsgruppen vermittelt werden.
Die Fortschritte der Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren sind vollständig dokumentiert: Von 1253 Schultagen gelten nur 169 als entschuldigte Fehltage, zu denen auch Krankenhausaufenthalte und eine Suspendierung von der Schule zählen. „Bei Schülern mit bislang massivem schulverweigerndem Verhalten ist das bisherige Ergebnis mit insgesamt nur 2,8 Prozent unentschuldigter Fehltage bei den Altschülern und 6,5 Prozent bei den Neuschülern als sehr positiv zu bewerten“, heißt es im offiziellen Zwischenbericht der auf fünf Jahre als Modellprojekt laufenden Einrichtung. Erwähnt wird, dass die Schüler an ihren Herkunftsschulen deutlich massivere Fehlzeiten aufwiesen.
Die Schüler selbst leben mit deutlich geringeren Belastungen, wie eine ihrer Antworten an die Besucher aus der Politik zeigen. „Aber unbedingt“, war die kopfnickende Antwort auf die Frage an Jonas (14), ob der Stress mit den Eltern nun geringer sei. Die bessere Atmosphäre an der Produktionsschule wirkt sich auf die Zukunftschancen der jungen Menschen sehr positiv aus. Ziel ist, alle Schüler zum offiziellen Hauptschulabschluss zu führen.
Momentan kommen wesentliche Mittel aus dem Projekt „Soziale Stadt Grone“, aus einem Sonderetat der Beschäftigungsförderung und aus dem Haushalt der Stadt (20.000 Euro für Sachmittel), während das Land nur 16 Lehrerwochenstunden und 13.000 Euro jährlich beisteuert. Die Verstetigung der Finanzierung unter Einbeziehung des Landes, so waren sich die Schulbesucher vor Ort einig, gehöre zur Aufgabe der Politik, ebenso wie die Erweiterung um sechs Schülerplätze. Da es sich um schulpflichtige junge Menschen handelt, sei hier das Land in der Pflicht, war das Credo der Sozialdemokraten aus Stadt und Landesparlament.
