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 Werner Seiler fühlt sich mit seiner Familie längst nicht mehr als Neubürger im Göttinger Ortsteil Geismar.
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Zu Beginn dieses Jahres rückte Werner Seiler für die plötzlich verstorbene Ratsfrau Gudrun Czech in den Rat der Stadt Göttingen nach. Seine ersten Eindrücke aus dem Schulausschuss und dem Umweltausschuss beschreibt der Geismaraner zurückhaltend. Schnellschüsse sind seine Sache nicht, er möchte Politik mit Augenmaß verfolgen.
Seine beruflichen Erfahrungen kommen ihm da sehr entgegen. Als Dezernent der Bezirksregierung hatte er alle Schulen im Regierungsbezirk im Blick, die im ländlichen Bereich mit weniger Lehrern auskommen mussten als die in den Zentren. Hatte die damalige Landesregierung in ihrer Aufbruchstimmung zu Beginn die Lehrerstunden großzügig aufgestockt, so erlebte Seiler wenig später, wie die Finanzen immer knapper wurden und der Rückwärtsgang eingelegt werden musste. Seine Quintessenz: „Wir sollten nur das zusagen, was wir auch halten können, auch wenn es manchmal schwer fällt, Wünschen nicht entgegen zu kommen.“ Und er ergänzt, dass der Blick für das Gesamtsystem wichtig ist, um sich nicht in Einzelheiten zu verzetteln.
Für die künftige Schulentwicklung stellen sich ihm deshalb grundlegende Fragen. Etwa die nach dem dauerhaften Bestand von Hauptschulen unter sich verändernden Bedingungen. Und überzeugend ist er, wenn er über ideologisch motivierte Schulpolitik spricht: „Die hat längst ausgedient, denn eine Gesamtschule ist doch keine linke Schule.“ Bei sachlicher Betrachtung der künftigen Schülerzahlen seien kooperative Modelle unausweichlich – es sei denn, man nehme Schulschließungen in Kauf. Der Landkreis Göttingen müsse in der Gesamschuldiskussion endlich seine Hausaufgaben machen und aus seiner Ecke heraus kommen.
Im Umweltausschuss hat er in den wenigen Monaten seiner Ratstätigkeit noch „keine weltbewegenden Dinge“ erlebt. Jedenfalls dürfe der Erhalt eines einzelnen Baumes nicht über ein langfristiges Gesamtkonzept für Stadtgrün gestellt werden, ist sich „der Konzeptmann“ Seiler sicher. Die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule, die über einen Fachbereich Arboristik verfüge, könne bei diesem Anliegen jedenfalls sehr hilfreich sein. Schließlich gehe es auch um erhebliche Kostenfaktoren, so dass Versprechungen schnell zu Luftblasen werden könnten.
gaf
