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| Vorschulische Sprachförderung |
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Inse Janssen-Oldigs in der Ratssitzung vom 9. November 2007
Sehr geehrte Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren!
Die von der CDU geführte Landesregierung hat mit der Einführung der Beitragsfreiheit für das 3. Kindergartenjahr eine sehr gute Tat vollbracht, die hiesige CDU hat sich unserem Antrag im Jahr davor wie Sie wissen, leider nicht anschließen können. Die Absicht der CDU-Ratsfraktion, nun mit den dadurch freigesetzten Geldern die Eltern von Kindern mit sprachlichen Defiziten zu fördern, verdient auf den ersten Blick viel Lob. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn es fehlt dem Antrag der Ratsfraktion der CDU vor allem an Sachkompetenz. Ich möchte ein paar Stichpunkte dazu abgeben.
- Bei der Sprachförderung bei Kindern handelt es sich um eine Maßnahme, von der schon nach kurzer Zeit Erfolge erwartet werden. Die kann man erzielen, wenn schon bestehende Beziehungen zu Kindern genutzt werden, das ist in diesem Fall schon ein Naturgesetz mit nur wenigen Ausnahmen.
Diese Beziehungen bestehen in den Kitas. Der CDU-Antrag unterstellt hinsichtlich der Sprachförderung für Kinder eine heile Welt, das Gegenteil ist der Fall. Es war ein schwerer Fehler der Landesregierung, die Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr an die Schule zu übertragen: Gewachsene Beziehungen zu den Kindern werden beendet, Fachkräfte mit Zusatzqualifikation in verschiedenen Sprachförderprogrammen werden gegen wechselnde, zum Teil nicht spezialisierte, um nicht zu sagen ungeeignete Lehrerinnen ausgetauscht. Einige Kinder werden mit dem Taxi zur Sprachförderung in die Schule kutschiert, - integrative Sprachförderung sieht anders aus! Die finanziellen Mittel für die Sprachförderung in den Kitas wurden zusammengestrichen. Die Stundenkürzung hat zur Folge, dass die Sprachförderkräfte überhaupt nicht mehr in der Lage sind, Kontakt zu den Eltern zu halten. Es ist schon so gut wie unmöglich geworden, sich mit den Kolleginnen in den Gruppen über den Verlauf der Sprachförderung auszutauschen. Die Fachkräfte sind in mehreren Einrichtungen tätig, und zwar nur für die Zeit der Sprachfördergruppen. Der Kirchenkreis Göttingen-Münden hat die Stunden der Sprachförderkräfte in evangelischen Kindertagesstätten aufgestockt und ermöglicht damit eine minimale Zusammenarbeit und eine Vorbereitungszeit für die Fachkräfte. Kurz zusammengefasst: Die eingangs von mir gelobte gute Tat- nämlich die Beitragsfreiheit im dritten Kindergartenjahr- wurde egalisiert und durch eine nicht nachvollziehbare Umstrukturierung bzw. Zerschlagung bestehender Sprachförderung kaputt gemacht. Hier besteht erheblicher Investitionsbedarf bzw. Politikwechsel.
- In Ihrem Antrag schreiben Sie, dass die Mütter bzw. die Eltern mit ihren Kindern am Sprachförderunterricht teilnehmen. Das kann ich mir aus folgenden Gründen nun wirklich nicht vorstellen:
Kinder verhalten sich im Beisein ihrer Eltern anders und Kinder lernen völlig anders als Erwachsene. In einer Lernsituation wie das Erlernen der Sprache sind Kinder den Eltern oft überlegen, können sich alles schneller merken. Es ist schwer für die Eltern, wenn sie erleben, dass ihre Kinder im Kindergarten schneller deutsch lernen als sie in ihrem Deutschkurs. Dabei ist die Situation der Eltern für sich genommen schon äußerst sensibel zu handhaben. Sie haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen, vom Studium im Heimatland bis hin zum Analphabetismus. Um Lernen zu können brauchen die Eltern ebenso wie ihre Kinder eine Ihnen angemessene Methode und eine wertschätzende Atmosphäre. Kinder und Eltern zeitgleich in einer Gruppe zu fördern bringt also nichts. Die im Antrag beklagte Nichtteilnahme von Müttern an Sprachkursen wird so nicht überwunden werden, sondern nur, wenn die Eltern bzw. Mütter getrennt von den Kindern unterrichtet werden.
- Um Irrtümer zu vermeiden: es geht – leider, leider muss ich sagen- immer noch primär um die Sprachförderung der Kinder, nicht primär um die Erwachsenen. Hinzu kommt, dass es bereits gute, bestehende Angebote für Erwachsene gibt. Die 10 Kulturdolmetscher, die im Rahmen eines LOS- Projektes geschult wurden, wären in meinen Augen wunderbar geeignet, die Aufgabe zu übernehmen, Kontakt zu Müttern in der Kita aufzunehmen, Schwellenängste abzubauen und in Zusammenarbeit mit den Kitas Kurse zusammenzustellen von Müttern, die zusammen passen. Wenn die Räumlichkeiten es erlauben, können diese Angebote auch in den Kitas stattfinden. In den meisten Einrichtungen ist das jedoch nicht der Fall. Die Aufgabe der Kitas ist Bildungsarbeit für die Kinder und eine Elternberatung, damit die Eltern das für sie richtige Angebot finden. Wenn die Hemmschwelle für Mütter gesenkt werden muss, sind die Kitas sicher mit dabei.
- Das neue Eltern-Kompetenz-Zentrum in Grone wird genau dieses Angebot bieten können. Während die Kinder in den Krippen- bzw. Kindergartengruppen lernen, können im benachbarten Raum die Eltern an einem Kurs teilnehmen. Dort sind dann auch die gewachsenen Beziehungen wieder von Vorteil, die Erzieherinnen können beraten und die Eltern „auf den Weg“ bringen. Nach meiner Vorstellung würden diese Kurse dann natürlich auch offen sein für Mütter anderer Kitas, eine Zusammenarbeit der bestehenden Kitas mit dem neuen Eltern-Kompetenz-Zentrum wird sicher von allen Seiten begrüßt.
- Das bereits in der Planung befindliche Projekt der Zukunftswerkstatt zur Integration durch koordinierte Sprachförderung und Elternbildung richtet sich bisher ausschließlich an Schulen. Hier geht es darum, die Mütter zu qualifizieren, ihre Kinder beim Erlernen der schulischen Inhalte zu unterstützen, gemeinsame Aktivitäten in Gang zu setzen und ein Netzwerk aufzubauen. Welche Anteile dieses Konzeptes für den Elementarbereich übertragbar ist, müsste genau geprüft werden.
Wenn sich Finanzierungsquellen auftun, wird es sicher auch weitere, gute Projekte geben. Der heutige Antrag hat bereits neue Impulse ausgelöst.
Wir stimmen einer Überweisung zu und freuen uns auf eine Diskussion im Jugendhilfe- Ausschuss, die Gelegenheit bieten wird, Fehler zu korrigieren, entstandene Lücken aufzufüllen, sachlich zu informieren und dann inhaltliche Überlegungen anzustellen.
Weitere Artikel zum Thema finden Sie, wenn Sie auf unserer Startseite unter "Suchen" den Begriff "Sprachförderung" eingeben. 
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