
Lange Jahre kontroverser Diskussionen um das Stadtbad-Areal sind beendet: In einer Sondersitzung beschloss der Rat der Stadt Ende August, das Grundstück an einen Investor und Projektentwickler aus Hannover zu verkaufen.
Vorausgegangen war ein gründlich vorbereiteter Wettbewerb. Die Interessenten mussten weit mehr als einen Kaufpreis nennen. Vielmehr ging es darum, konkrete Pläne für die künftige Bebauung vorzulegen. Art und Umfang der Bebauung und auch den Umfang der Handels- und Büroflächen hatte der Rat zuvor festgelegt.
Bereits 2005 hatte die SPD-Fraktion die Leitlinien für die Entwicklung des Areals mit einem Ratsantrag, der damals einstimmig beschlossen wurde, vorgegeben: „Kein Einkaufstempel, Mix-Nutzung, Schaffung von Flächen mit Aufenthaltsqualität, Einbeziehung der Leine und Schaffung einer neuer Achse zwischen Bahnhof und Innenstadt“, so skizziert Fraktionschef Tom Wedrins diese Vorgaben.
Bereits zuvor hatte es lange Debatten über das „Loch“ in der Innenstadt gegeben. Der Amtsvorgänger des jetzigen Oberbürgermeisters Wolfgang Meyer konnte keinen Käufer finden, was wohl auch daran lag, dass es ihm um einen bloßen Verkauf ging. „Es verschafft Investoren aber mehr Sicherheit, wenn sie klare Vorgaben haben, da dies auch Verlässlichkeit gegenüber dem Partner Stadt bedeutet“, setzt Wedrins entgegen. Im Jahr 2005 hatte es noch kritische Stimmen gegeben, die gar keine öffentliche Planung wollten und eine Art Planwirtschaft befürchteten.
Mittlerweile können alle heilfroh über die Ratsentscheidung sein, denn so knickte auch niemand ein, als die ECE vor der Tür stand, um einen Einkaufstempel zu bauen, der den Rest der Innenstadt ausgebremst hätte.
Bereits im kommenden Jahr werden sich die Baukräne über dem Gelände drehen. Attraktive Wohnungen, ein bunter Einzelhandels- und Dienstleistungsmix mit Schwerpunkt im gesundheitlichen Bereich und öffentliche Flächen mit Aufenthaltsqualität werden für die gewünschte Publikumsfrequenz sorgen. Wedrins: „Jetzt fehlt nur noch eins: Das Carree muss sich an einer gemeinsamen Entwicklung beteiligen!“
Insgesamt habe sich gezeigt: Nicht gleich verkaufen, sondern langen Atem zeigen! Dass ausgerechnet während der Finanz- und Wirtschaftskrise drei hochkarätige Bewerber am Wettbewerb teilgenommen haben, zeige, wie attraktiv Göttingen nun auch für Investoren sei.
